Die Deutsche Schulschachmeisterschaft 2016 in Friedrichroda

Vom 24.4 bis 27.4 fand im thüringischen Friedrichroda die Deutsche Schulschachmeisterschaft (DSM) in der Wettkampfklasse Grundschule (WK G) statt. Die Spielstätte war das Ahorn Berghotel, sehr idyllisch auf dem Berg gelegen, die Stadt überragend wie die Burgen im Mittelalter. Es bot ein ganz tolles Ambiente mit einem riesigen Spielsaal, Schwimmbad, Kino und weiteren Aktivitäten für die Kinder. Einziger Wehrmutstropfen das Wetter. Temperaturen deutlich unter 10°C und Schnee, Regen, Wind im Wechsel mit ein paar Sonnenstrahlen.

Die Anreise am Sonntag verlief ganz ordentlich. Alle fünf Kinder, Maxime, Joachim, Joël, Kyllian und Jules, waren zur angegebenen Uhrzeit am Bahnsteig und traten die Reise pünktlich um 11h10 an. Kyllian war etwas angeschlagen, hatte Bauchschmerzen, Schnupfen und etwas Halsschmerzen, aber das Abenteuer wollte er sich nicht entgehen lassen.

Der einzige kleine Haken brachte die Deutsche Bahn mit dem Bummel-ICE, der ohne erkennbare Gründe 20 Minuten Verspätung in Erfurt hatte. Der Anschlusszug war natürlich schon weg, so dass wir mit genau einer Stunde Verzögerung im Hotel ankamen. Egal, Einchecken, die Zimmer begutachten und 30 Minuten später waren alle Kinder und die Betreuer im Schwimmbad, um vor dem obligatorischen Mannschaftsfoto zu entspannen. Abendessen und ab ins Bett. Der Montag sollte mit sechs Partien sehr anstrengend werden.

Der erste Spieltag

Die erste Info für die Mannschaft war die Ankündigung, dass Joachim aufgrund seiner über 200 Punkte besseren Wertungszahl (DWZ) gegenüber Maxime an Brett 1 spielen muss. Er war zwar vorher darauf vorbereitet worden, denn dass es drohte wussten wir vorher, aber eine kleine Unsicherheit bestand.

Als Nummer 23 gesetzt und damit in der oberen Hälfte bescherte uns die Auslosung Bergstedt II aus Hamburg und wir traten mit Joachim an Brett 1, Maxime an 2, Joël an 3 und Kyllian an 4 an. Es war vorgesehen, dass Jules als Ersatzspieler am gleichzeitig stattfindenden Open-Turnier teilnehmen sollte. Die zweite Mannschaft aus Bergstedt erwies sich allerdings recht schnell als guter Sparringspartner zum Warmspielen. Unsere Bretter 1 bis 3 gewannen souverän nur Kyllian hatte Startschwierigkeiten, spielte nicht sein gewohntes Schach und verlor.  Der Auftakt war geglückt mit 3 Brettpunkten.

Als zweiten Gegner bekamen wir lustigerweise Bergstedt I. Die waren natürlich scharf darauf, ihre Kollegen zu rächen und das gelang auch. Die Bretter 1, Joachim hatte es mit dem stärksten Spieler des Turniers zu tun, 3 und 4 gingen verloren. Nur Maxime stellte sich dagegen und gewann an Brett 2. Leider verlor Kyllian wieder und das Drama nahm seinen Lauf.

4 Brettpunkte nach zwei Runden waren ganz ordentlich. In der dritten Runde bekamen wir wieder einen Gegner aus dem Norden und wir hatten das Gefühl die Norddeutsche Schulschachmeisterschaft auszuspielen. Die Werner-Lindemann-GS kam aus Mecklenburg-Vorpommern und sollte uns eine tolle Gegenwehr liefern. Im Normalfall wären wir favorisiert gewesen, aber Kyllian bot völlig verunsichert wieder eine schwache Leistung. Joachim und Maxime lieferten solides Schach und gewannen ihre Partien. Joël machte es Kyllian nach und so ging die dritte Runde 2:2 aus. Weitere wichtige Brettpunkte für die Rangliste, so dass wir uns im Mittelfeld wiederfanden. Kyllian war allerdings nach diesen 3 verlorenen Runden untröstlich und weinte bitterlich. Daraufhin trafen wir die Entscheidung Kyllian auszutauschen um ihm im Open-Turnier die Möglichkeit zu geben, Druck abzubauen. Dafür musste Jules in die Mannschaft einspringen, der bisher 2 Siege im Open geholt hatte.

Die vierte Runde entwickelte sich zur Revanche aus der Berliner Meisterschaft. Die Reinhardswald-GS stellte sich uns mal wieder in den Weg und es sollte sehr steinig werden. Die letzten Aufeinandertreffen waren immer sehr eng und hart umkämpft, auch wenn wir letztlich immer verloren haben. An diesem Tag lief allerdings alles schief. Maxime verlor in der Eröffnung die Dame und gab voller Frust und ungestüm die Partie auf. Dies löste eine Art Schockstarre für die anderen aus. Joachim, Joël und Jules hatten nicht den Hauch einer Chance und verloren ebenfalls. Ein Debakel gegen den Dauerrivalen. 0:4 und viel Frust. Durch dieses Ergebnis rutschten wir sehr weit nach hinten. Alles Schlechte hat natürlich auch eine gute Seite. Der nächste Gegner wurde für uns leichter.

Im Open-Turnier ging das Leiden des jungen Kyllians derweil weiter. Nach vier Partien 0 Punkte.

In der fünften Runde war unser Gegner die GS Markkleeberg West aus Sachsen. Eine Mannschaft mit Erst- und Zweitklässlern. Die Kleinen waren einen Kopf kleiner als wir, sollten aber zeigen, dass auch sie ihren Startplatz verdient hatten. Joachim und Maxime mussten kämpfen rangen letztendlich aber ihre Gegner nieder. Joël bat seinen Betreuer etwas verunsichert Remis anbieten zu dürfen, was ihm trotz besserer Stellung, gewährt wurde. Und Jules übersah leider, dass er gar nicht Matt war. 2,5:1,5. Ein hart erkämpfter Sieg. Das Schachniveau sank allerdings zusehends. Die Fehler wurden auf allen Brettern im Saal gröber.

Des Dramas Höhepunkt wurde allerdings im Open erreicht wo Kyllian auch seine fünfte Partie verlor und weinend minutenlang von Joëls Papa getröstet werden musste.  Leider hatte der Tausch keine Wirkung gezeigt. Kyllian spielte weiterhin sehr unsicher und schwach. Wir waren etwas besorgt und hofften auf die letzte Partie des Tages.

Alle freuten sich, dass der erste Tag bald vorbei sein würde. Nur noch eine Runde und wieder eine Mannschaft aus Hamburg. Die Evangelische GS Pauluskirche war unser Gegner. Eigentlich kein Gegner, aber an diesem Tag war alles anders. Maxime gewann klar und verabschiedete sich in den Feierabend. Joachim zeigte leichte Ermüdungsschwächen und es reichte nur für ein Remis. Joël kämpfte sich durch und was sehr erfreulich für seine Entwicklung war, schaffte es seinen Vorsprung in einen Sieg umzuwandeln. Die Partie war gewonnen. Jules Niederlage änderte nichts daran.

Und was machte Kyllian? Er sprang freudestrahlend seinem Betreuer in die Arme und verkündete seinen Sieg. Ein Sieg gegen einen sehr schwachen Gegner, aber ihm waren tonnenweise Steine vom Herzen gefallen und die Psychologie nahm ihren Lauf.

Nach dem Abendessen ging es gleich ins Bett. Die Kinder waren alle sehr müde. Sechs Runden anstrengende Schachpartien lagen hinter ihnen und das merkte man auch.

Der zweite Spieltag

Als erstes wurde angekündigt, dass das geplante Fußballturnier am Nachmittag leider aufgrund des schlechten Wetters  ausfallen würde. Als Ersatz würde es ein Kicker-Turnier geben. Die Kinder waren nur kurz enttäuscht, denn die siebte Runde stand an. Als 42. des Vortages mit 11 Brettpunkten und Letzter aller berliner Mannschaften hatten wir keinen großen Druck. Zusätzlich noch den Vorteil einen Gegner zu spielen, der ebenfalls einen schwachen ersten Tag hatte. Es wurde die GS Lankow aus Mecklenburg-Vorpommern. Kyllian hatte den Wunsch geäußert wieder in der Mannschaft zu spielen, und so traten wir in der Hauptformation an. Alle Bretter zeigten wieder solides Schach. Auch Kyllian, der wie ausgewechselt spielte. Sehr solide, keine Spur von Unsicherheit und der erste Sieg des Tages. Joachim und Maxime folgten und Joël wollte nicht alleine weiterspielen und bot Remis. 3,5:0,5. Ein klarer Sieg und ein guter Start in den Tag.

Jules war noch nicht ganz wach und verlor die siebte Runde im Open.

Die achte Runde brachte einen alten Bekannten für Joachim. Jonas, das Brett 1, der Schiller GS im Sternfeld aus Brandenburg, spielt im gleichen Verein, bei den Schachpinguinen, und hat bisher immer gegen Joachim gewonnen. Joachim wurde entsprechend von seinem Papa vorbereitet. Minutenlang gingen sie vorab die Züge durch. Joachim hielt sich genau an die Züge und zwang Jonas genau in das Muster, dass vorher vorbereitet wurde. Der Lohn der Arbeit ein Remis, dass arg nach Sieg roch. Maxime gewann seine Partie klar. Joël musste sich geschlagen geben. Und was geschah an Brett 4? Kyllian spielte als ob es den Vortag nicht gegeben hätte und gewann mit überzeugenden Zügen. Die Jungs spielten wie aufgedreht.

Von dieser Euphorie getragen ging es in die neunte Runde gegen die GS St. Marien „Wasserliesch“ aus Rheinland-Pfalz. Kyllian gewann nach 5 Minuten, Joël und Maxime folgten. Joachim biss sich an seinem stark aufspielenden Gegner die Zähne aus und verlor. 3:1 und es war eine Freude zuzusehen.

Auch Jules gewann im Open und konnte sich mit den anderen freuen.

Die zehnte und letzte Runde des Tages brachte uns einen starken Gegner. Aufgrund der vielen Punkte hatten wir in der Tabelle einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die Gegner wurden entsprechend stärker und so saß uns die Paul-Gerhardt-Schule aus Schleswig-Holstein gegenüber.  Die hatten gute DWZ aber es war immerhin die zehnte Runde. Und so kam es, dass die positive Dynamik für uns sprach. Kyllian spielte immer noch wie im Rausch, profitierte aber dieses Mal von einem groben Fehler seines Gegners, der seinen Turm stehen ließ. Joachim gewann auch klar und Joël spielte Remis, dass Maxime ebenfalls erreichte. Ein 3:1 zum Tagesabschluss. Vier Runden und vier Siege, der zweite Tag brachte die Wende und mit 23 Brettpunkten konnten wir auf dem 14. Platz übernachten. So gut standen wir noch nie.

Nach den Partien startete nach einer kurzen Pause das Freizeitprogramm. Joachim und Maxime starteten beim Tandem-Turnier. Dabei wird Schach als Zweiermannschaft gespielt. Auf einem Brett geschlagene Figuren kann der Partner auf seinem Brett einsetzen. Das Ganze als Blitzturnier mit 5 Minuten Bedenkzeit.

Joël und Kyllian bildeten eine Mannschaft beim Kickerturnier und Jules entspannte von den ganzen Strapazen und schaute beim Tandem zu.

Später am Abend kamen dann noch die Betreuer zum Zuge beim alljährlich stattfindenden Betreuer-Blitz-Turnier. Fünf Minuten Bedenkzeit und sieben Runden. Eines sei gesagt, nicht nur die Kinder der Judith-Kerr-GS hatten sich beachtlich geschlagen, ihr Betreuer auch.

Am letzten Tag des Turniers wollten wir noch einmal angreifen. Alles war möglich. Wir konnten in die Top Ten kommen oder wieder in die 20er Plätze abrutschen. Wir bekamen die Luzia-GS Großostheim-Pflaumheim aus Bayern zugelost. Auf dem Papier ein vermeintlich schwächerer Gegner, aber Vorsicht, auch die hatten 23 Brettpunkte erreicht. Die Bretter wurden freigegeben und es ging los. Wie am Tag zuvor spielten die Kinder konzentriert und wie erwartet sollte es schwierig werden. Joachim stand nicht gut und musste kämpfen, Maxime und Joël verschafften sich keinen Vorsprung und Kyllian? Ja der Kyllian. Nach einem katastrophalen Start in dieses Turnier knüpfte er da an wo er am Vortag aufgehört hatte. Konzentriert gewann er Figur um Figur und durfte auch recht schnell mit seinem insgesamt sechsten Sieg in Folge sein Turnier beenden. Wir führten also 1:0, aber bei Joachim sah es nicht gut aus. Nach Figurverlust musste er sich seinem stark aufspielenden Gegner geschlagen geben. Joël und Maxime hatten weiterhin eine ausgeglichene Stellung, Joël mit leichten Vorteilen, die er aber letztendlich nicht umsetzen konnte. Der Gegner nahm sein Remis-Angebot an. Direkt im Anschluss fragte auch Maxime ob er Remis anbieten dürfe. Er war im Turmendspiel, jeder schwache Zug konnte die Partie verlieren und nach drei harten Tagen musste man auch mit einem Remis zufrieden sein. Und so ging Maximes letzte Partie Remis aus. 2:2 zum Abschluss eines sehr anstrengenden Turniers, das die meisten Kinder in der Form noch nie gespielt hatten und auch nie wieder spielen werden.  25 Brettpunkte von 44 möglichen und eine ganz tolle Mannschaftsbilanz. Maxime konnte davon profitieren an Brett 2 spielen zu müssen und holte 9 Punkte. Joachim spielte gewohnt starke Partien, wurde aber von der neuen Verantwortung, an Brett 1 spielen zu müssen in manchen Partien erdrückt und konnte nicht so frei aufspielen wie sonst. 6 Punkte standen zu Buche.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben Joël und Kyllian ganz tolles herzerfrischendes Angriffsschach geboten und haben maßgeblich mit ihren Punkten für das sehr gute Abschneiden der gesamten Mannschaft beigetragen. Mit jeweils 5 Punkten haben sie 40% der Punkte beigesteuert.

Am Ende wurde es der 12. Platz, in einem Landesturnier mit 70 Mannschaften.

Ich spreche Joachim, Maxime, Joël und Kyllian ein großes Lob aus. Sie haben dem großen Druck standgehalten und haben sich in den drei Tagen unglaublich entwickelt. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

 

Für mehr Informationen zur DSM: www.dsm.blau-weiss-stadtilm.de

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